EL HADJI MANSOUR CISS (KANAKASSY)

SENEGAL

Geboren am 28. Mai 1957 in Dakar/Senegal

1973-1977 Ausbildung am Institut National des Arts du Sénégal, Bildhauermeisterklasse in Dakar.

Von 1980-1983 Beteiligung am legendären Village des Arts, einem selbst verwalteten Künstlerzentrum auf einem ehemaligen Militärgelände in Dakar. Durch die dortige enge Zusammenarbeit mit Künstlern aller Bereiche (Theater, Musik, film, Tanz) entstehen u.a. auch Bühnenbilder, Batiken und Wandgemälde.

1981 Studienaufenthalt in Gambia, wo Mansour Ciss ethnographisch zu der Mythologie der Mandingo arbeitet.

Nach der militärischen Räumung des Geländes lebt und arbeitet er zunächst mit einer Gruppe von Künstlern auf der Insel N'Gor, ab 1985 dann in der Medina (Altstadt von Dakar). Aufgrund der räumlich sehr beengten Verhältnisse widmete er sich in dieser Zeit hauptsächlich der Batik, entwickelt neue Stoffdruck- und Färbetechniken. Er entwirft Textilien und Modedesign.

1986 entsteht als Auftragsarbeit eine monumentale Skulptur mit dem Titel Caducee (Sinnbild der Pharmazie und Medizin) für das Centre de Traumatologie, Dakar.

Erster Aufenthalt in Deutschland, wo seine Arbeiten in Köln, Deutsche Welle ausgestellt werden.

1987 Übersiedlung nach Berlin, wo er 1988 in der Bildhauerwerkstatt Berlin arbeitet.

Von 1989-1993 Aufenthalt in Bamako, Mali. Mansour Ciss bereist dieses geschichtsträchtige Land, dessen verschiedene traditionelle Kulturen ihn für eine neue Schaffensperiode inspirieren. Neben etlichen Skulpturen (Holz, Marmor), die er im Nationalmuseum in Bamako ausstellt, erarbeitet er sich die traditionelle Stoffmaltechnik Bogolan (Schlamm auf Stoff streichen"), die er in moderne Textil- und Modedesigns einarbeitet.

1994 arbeitet Mansour Ciss mit der internationalen Künstlergruppe Rundeck mit Sitz in Berlin unter dem Leitmotiv Über alle Grenzen. Mit dieser Gruppe organisiert er gemeinsam mit Bassirou Sarr das erste internationale Bildhauersymposium in Dakar. Das Projekt Über alle Grenzen - Brücke Europa-Afrika wurde von der UNESCO als Weltdekadenprojekt für kulturelle Entwicklung anerkannt. An dem Projekt nahmen 18 internationale Künstler teil, die im Senegal gemeinsam mit einheimischen Künstlern lebten und arbeiteten.

1994 stirbt seine Frau; Mansour Ciss lebt und arbeitet seitdem in Berlin mit seinen beiden Kindern Mandela und Malaika.

Seit 8 Jahren lebt der in Senegal geborenen Künstler in zwei Kulturen, deren Formen und Werte er immer wieder in seinen Arbeiten - vorwiegend in Form von Installationen und Multimedia - zusammenführt.

Mansour Ciss (Kanakassy) hat seine Ausbildung in der Meisterklasse für Bildhauerei am nationalen Kunstinstitut des Senegal absolviert, damals regiert noch Leopold Senghor, der Intellektuelle, Poet und große Förderer der afrikanischen Kunst.

Seit Kanakassy in Deutschland wohnt, ist seine Kunst politisch geworden. Er hat seine zweite Initiation erfahren. Er lebt in Europa und Afrika, in zwei Welten, und seine vielen Projekte haben das Ziel, Wissen und Verständnis für die jeweilige andere Kultur zu vermitteln. Er sagt selbst, er hat etwas, dass es eigentlich nicht gibt: Zwei Heimaten: Berlin und Dakar.  

Uns Europäern zeigt Kanakassy andererseits ein ungeschminktes Bild von Afrika, auch von seinen dunklen Seiten. Dabei reklamiert er unablässig unsere europäische Verantwortung für das heutige Afrika, ohne dabei die Verantwortung der Afrikanerinnen und Afrikaner selbst zu vergessen.

In der Berliner Konferenz 1884/85 haben die damaligen Kolonialmächte ihre Einflussbereiche in Afrika abgesteckt und ohne Rücksicht auf ethnische oder

geograpische Gegebenheiten die Grenzen in Afrika gezogen, die heute noch gelten.

Viele der vermeintlich innerafrikanischen Konflikte beruhen auf diesen willkürlichen Grenzen. Mansour nennt seine Projekte zur Unterstützung der afrikanischen Einheit in Anspielung auf diese Konferenz Déberlinisation.