Seit Beginn seiner künstlerischen Laufbahn war Ciss´ Arbeit mit politischen Konflikten konfrontiert. Kaum hatte er sein Studium begonnen, wurde die ambitionierte Kulturpolitik Senghors zerschlagen, die Künstler mit Polizeigewalt aus ihren Ateliers vertrieben. Die ihnen zugedachte Rolle der Verherrlichung idealer afrikanischer Kultur war durch die Bürgerkriege und brutalen Diktaturen in vielen afrikanischen Ländern zerbrochen und die Grundlage ihrer Identität schien prekär.
Ciss ist losgezogen, die Welt zu erforschen und hat auf dieser Reise den Konflikt erfahren zwischen der individuellen Identität, die sich aus den persönlichen Erfahrungen und der eigenen Geschichte bildet, und jener Identität, die durch einen politischen Status, eine Staatsbürgerschaft bestimmt wird. Er nahm den Künstlernamen "Kanakassy" an, "Weine nicht!", (beruhige dich!), ein Imperativ zwischen Trost und Ermahnung. Mansour Ciss löste sich immer weiter von der afromodernen Formensprache seiner frühen Skulpturen und begann in Berlin an seinem Projekt "Deberlinisation" zu arbeiten, einer Art Exorzismus des kolonialen Erbes, das noch immer das Verhältnis von Afrika und dem Westen bestimmt. Die Reste panafrikanischer Phantasien hat er in der Grafik der Billets, seiner imaginären afrikanischen Währung, dem "Afro" , spielerisch befragt: Welche Bilder können heute für Afrika stehen?
Europa wird in Afrika als Paradies imaginiert und als Ciss seine Fotos von berliner Obdachlosen in Dakar zeigte, brach er ein Tabu, denn diese berliner Realität ist dort nicht vorstellbar.
Er spannt den Bogen seiner Identitätsbefragung vom Personalausweis, der die Identität als politisches Machtverhältnis festschreibt, bis zu seiner Identität als afrikanischer Mann, der im Park in afrikanischen Gewändern erscheint und sich bis auf die Unterhose entblößt.
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